121. Grosser Preis von Berlin vor großer Kulisse erfolgreich beendet

Starke(r) Volltreffer im historischen Grand Prix

Der fünfmalige Championjockey Andrasch Starke beweist auf Danedream seine Klasse +++ Überraschender Ausgang des 121. Grossen Preises von Berlin vor rund 11.000 Zuschauern +++ Vierbeiniger Schnäppchenkauf Danedream ist jetzt Millionen wert

Danedream heißt die Siegerin der 121. Austragung des Großen Preises von Berlin. Die dreijährige Stute des badischen Gestüts Burg Eberstein, verwies den für beinahe unschlagbar gehaltenen „Galopper des Jahres 2010“, Scalo, auf Platz zwei vor Superstition, einer weiteren Außenseiterin, sowie den Mitfavoriten Night Magic und Lucas Cranach. Besonders beeindruckend war der Vorsprung von fünf Längen, den die Siegerin dem Rest des Feldes auf der Zielgeraden abnahm.

Der Sieg in dem wieder an seinem Gründungsort Hoppegarten (1888) ausgetragene Grosse Preis, das bisher bestbesetzte Galopprennen des Jahres in Deutschland, war entschieden eine Beute des Jockeys Andrasch Starke. Der fünfmalige deutsche Championjockey verdiente ihn sich in zwei Akten: Erstens entschied er sich in den Tagen vor dem Rennen den Ritt auszuführen, obwohl das von der Stute zu tragende Gewicht von 53 Kilogramm einige Pfund unter seinem normalen Kampfgewicht liegt und er energisch „ackern“ musste, um am Renntag leicht genug zu sein. Zweitens spielte Starke in dem taktisch gelaufenen Rennen seine ganze Erfahrung und Klasse aus. Als nach lange verschlepptem Tempo sein Kollege Filip Minarik vor dem Schlussbogen die Spitze übernahm und das Tempo beschleunigte, war Starke ihm mit Danedream aufmerksam auf den Fersen und eingangs der Zielgeraden sofort in Angriffshaltung. Energisch brachte er Danedream an der Außenseite des Feldes in Schwung. So hatten einige seiner Kollegen, die mit ihren Angriffen zu lange gewartet hatten, das Nachsehen. Starke: „In einem so langsam gelaufenen Rennen darf man nicht so weit hinten bleiben,“ freute sich der Stalljockey von Danedreams Trainer Peter Schiergen. „Ich war begeistert, dass Danedream gegen ein so hochklassiges Feld so überlegen gewonnen hat, und das als Stute“. Der frühere Championjockey betreut die Dreijährige in seinem Stall an der Kölner Rennbahn. Für ihre Besitzer, die sie vor nur 14 Monaten zum Schleuderpreis von 9.000 Euro in Baden-Baden ersteigern konnten, ist Danedream geradezu ein Lottotreffer, denn nach einem dritten Platz im italienischen Derby sowie dem größten Stutenrennen Italiens und dem gestrigen Grand Prix ist sie auf dem internationalen Vollblutmarkt jetzt Millionen wert. Nach Einschätzung der offiziellen Handicapper ist sie die zweitbeste dreijährige Stute Europas. Als nächstes soll sie das Prestigerennen um den Grossen Preis von Baden bestreiten sowie im November eines der Millionenrennen um den Breeders` Cup in Kentucky.

Danedream

DANEDREAM siegt in Hoppegarten mit
Andrasch Starke im Sattel (Foto: Frank Sorge)

Danedream

Nur auf dem letzten Platz landete Cavalryman aus dem Turfimperium des Herrschers von Dubai. Er wurde, nach einem schweren Sturz von Godolphin-Jockey Lanfranco Dettori am Vortag ersatzweise von Alexander Pietsch geritten. Eine herbe Enttäuschung war auch das Abschneiden des Hoppegartener Lokalmatadors Gereon. Der dreijährige Hengst aus dem Stall von Christian Zschache kam, diesmal unter Eduardo Pedroza, nicht über den neunten und vorletzten Platz hinaus.

Im mit 80.000 Euro dotierten zweiten Hauptrennen des Tages, dem Internationalen Superhandicap über 1.800 Meter, siegte der 228:10-Außenseiter Point Blank unter Steffi Hofer vor Emipre Storm (Eduardo Pedroza), Combat Zone ( Tom Queally) und Lyssio (Andrasch Starke). Die 23jährige ist mit 51 Kilogramm inklusive Sattel ein echtes Leichtgewicht im Renndress, das der siegreiche Hengst aus dem Stall Antanando von Mario Hofer mit einer dreiviertel Länge Vorsprung ins Ziel trug.

Ein Flair aus 1000 und einer Nacht umwehte den Sieger im Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahyan Listed Cup. Der Niederländer Sartejano siegte mit Daniel Boeuf aus Frankreich im Sattel mit drei Längen vor Poulain Kossack (Eduardo Pedroza) und Athlete del Sol (Alexander Pietsch). Das Rennen war Teil der internationalen Rennserie des H.H. Sheikh Mansoor Bin Zayed Al Nahyan Global Arabian Horse Flat Racing Festivals. H.E. Mahmoud Mohamed Al-Mahmoud, Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in Deutschland, freute sich über das große Interesse der Berliner Zuschauer an den Arabern und damit den Verwandten der Englischen Vollblüter. „Wir möchten unsere Kultur, die mit dem Pferdesport eng verbunden ist, allen Menschen und heute den Berlinern und Brandenburgern ein wenig näher bringen“, sagte er nach der Siegerehrung.

Legendär war auch der Auftritt der bekannten Berliner Pferdefotografin Hannelore Menzendorf, die im Otto Schmidt-Gedächtnisrennen die Ehrenpreise für die Sieger übergab. Die in wertvollen in Silber gerahmten Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen ihren langjährigen Freund und Championjockey Otto Schmidt, der den Grossen Preis von Berlin acht Mal, und damit öfter als jeder andere in der Geschichte des 1888 in Hoppegarten gegründeten Rennes gewinnen konnte. „Ich bin stolz und froh, dass Otto Schmidt, jahrzehntelang der Publikumsliebling auf allen deutschen Bahnen, mit diesem Rennen wieder nach Hoppegarten ‘zurückgekehrt‘ ist und sein Name hier heute über die Lautsprecher schallt. Die Familie Menzendorf steht für ein Jahrhundert Pferdefotografie. Hannelore Menzendorf, heute 86, sah die Rennsportlegende Otto Schmidt zuerst als Vierjährige in Hoppegarten reiten.

Rund 11.000 Besucher sahen zum Grossen Preis von Berlin bei idealem Rennwetter insgesamt neun bestens besetzte Rennen und wetteten nach Kräften. Der Wettumsatz betrug fast 370.000 Euro, wovon mehr als 210.5500 Euro auf der Bahn erzielt wurden. Trotz der Ferienzeit war Hoppegarten an diesem historischen Renntag zur Rückkehr des Grossen Preises von Berlin wieder ein beliebtes Ziel für die ganze Familie. Die Kleinen amüsierten sich im kostenlosen Hoppegarten-Kindergarten und malten mit der Berliner Künstlerin Beate Schmitt ein Bild für den Sieger des 9. Rennens. Danach tönten Berliner Luft und andere Evergreens - live gesungen von den Besuchern - über das Gelände.

Einen besonderen Erfolg gab es für den Veranstalter auch an der Medienfront: Die ARD-Sportschau, seit Jahren abstinent, wenn es um Galopprennsport geht, brachte einen Beitrag von dem Ereignis.

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