Superhengst schreibt in Hoppegarten Geschichte

Overdose verbessert den Bahnrekord um 0,7 Sekunden

(Berlin-Hoppegarten, 17. April 2011) Eine völlig außergewöhnliche Stimmung herrschte am Sonntag auf der Galopprennbahn Hoppegarten. Der sechsjährige Hengst Overdose, eines der spektakulärsten Rennpferde der Welt, gewann mit dem „Fliegerpreis“ über 1.000 Meter im Grunde zwar nur eine Pflichtaufgabe, aber die Begleitumstände machten diesen Erfolg doch zu einem Ereignis, das in die Galoppsportgeschichte eingehen wird.

Unter dem deutschen Spitzenjockey Andreas Suborics gewann der in ungarischem Besitz startende Wunderhengst das Rennen mit spielerischer Leichtigkeit und steigerte den seit 18 Jahren bestehenden Hoppegartener Bahnrekord für die 1.000 Meter-Strecke dabei um 0,7 Sekunden auf 57,1 Sekunden. Ohne auch nur annäherend seine Leistungsgrenze zeigen zu müssen, absolvierte er die Strecke damit in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 66,5 km/h. Auch wenn nur einige der acht anderen Teilnehmer des Rennens überhaupt Gegner für Overdose sein konnten, beweist doch die völlig außergewöhnliche Siegerzeit die Behauptung, dass Overdose zu den schnellsten Pferden der Welt gehört. Ob er der allerschnellste Galopper überhaupt ist, soll der vierbeinige ungarische Nationalheld in einem weiteren Sprintrennen am 21. Mai in Haydock Park/GB und vor allem danach beim weltberühmten Royal Ascot Meeting unter Beweis stellen.

Overdose

Kusshand vom Jockey - OVERDOSE unter Andreas Suborics

Overdose

Weltstar auf der Hauptstadtrennbahn: OVERDOSE
Fotos: Frank Sorge

Was Overdose in besonderem Maße zu einem echten Star macht, ist nicht nur seine Schnelligkeit, sondern sind seine Geschichte und seine Eigenheiten und Probleme. Wie schon vor seinem letzten Start, der vor acht Monaten in Baden-Baden mit der ersten (und gleich einer deutlichen) Niederlage seiner Karriere endete, weigerte sich Overdose auch in Hoppegarten zunächst, seine Startbox zu beziehen. Nach gutem Start galoppierte er in der Anfangsphase, ebenfalls wie bei ihm üblich, etwas unbalanciert. Aber in der zweiten Hälfte des Rennens konnte Suborics mühelos die überlegene Klasse des braunen Galoppierwunders ausspielen. Schon kurz vor dem Ziel, das Overdose mit sechs Längen Vorsprung vor seinen Verfolgern Shot to Nothing und Sapphire erreichte, konnte der überglückliche Reiter das Publikum mit Kußhand auf die applaudierenden Ränge grüßen.

9.100 Zuschauer auf der sonnenüberfluteten Hauptstadtrennbahn erlebten somit den 15. Sieg von Overdose, den sein ungarischer Entdecker Zoltan Mikoczy vor viereinhalb Jahren auf einer Auktion in England zum Schleuderpreis von 2.500 Euro erworben hatte. „Das war ja Wahnsinn“, staunte der zweitplatzierte Jockey Filip Minarik, „das war ein 10.000 Euro-Vorbereitungsrennen, aber die Leute auf den Tribünen haben geschrien, als ob es das Galopp-Derby wäre.“ „Ich habe definitiv noch nie ein so antrittschnelles Pferd geritten, freute sich Andreas Suborics. Für den 39jährigen Österreicher war es immerhin der 1552. Sieg seiner Karriere als Reiter. „Viel schneller kann überhaupt kein Pferd laufen. So etwas sind die Tage, für die man überhaupt in diesem Beruf ist.“

Bis kurz vor dem Start hatten Skeptiker an einem Start des Pferdes noch gezweifelt, denn die Entwicklung von Overdose, der vor einem Jahr für mehrere Monate im Hoppegartener Traingszentrum beheimatet war, ist bisher von etlichen gesundheitlichen Höhen und Tiefen sowie einer Odyssee durch Trainingsorte in Europa gekennzeichnet gewesen. Diesmal aber präsentierte sich Overdose (in Ungarn 2008 „Sportler des Jahres“) in optimaler Verfassung, mit glänzendem Fell und gelassen. Vor allem seine früher oft brüchigen Hufe, die mehrfach eine Trainingsunterbrechung erforderlich machten, waren diesmal makellos. Nächster Renntag in Hoppegarten ist bereits am kommenden Sonntag (Ostersonntag, 24. April). Ein Pferd von internationalem Kaliber eines Overdose wird dann zwar nicht am Start erscheinen, „aber einige Stars können wir auch für diese Veranstaltung ankündigen“, verspricht Hoppegartens Rennbahneigner Gerhard Schöningh. Unter anderem werden Jockey-Legende Lester Piggott und ein „royaler“ englischer Überraschungsgast erwartet.

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